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5
Aug
2009

Machtspiele am Morgen

Morgenstund hat Gold im Mund... Ganz besonders viel Gold konnte ich in dem kleinen, verrunzelten Mund einer geschätzten 85 Jährigen sehen, die diesen wunderschönen Sommermorgen im Supermarkt meines Vertrauens in eine Freak-Show verwandelte.

Trotz meiner gestrigen All-by-myself-Rotwein-Session in meiner Küche, natürlich nicht ohne passende musikalische Untermalung, bin ich überraschend fit und gut gelaunt. Den Brechreiz beim Zähneputzen unter der Dusche habe ich relativ schnell im Griff und auch der Schwindelanfall beim Schuhe anziehen kann mich nicht aus dem Tritt bringen. Beschwingt, mit einem Liedchen auf den Lippen, duftend und strahlend, beglücke ich den Supermarkt mit meiner Anwesenheit. Morgens einkaufen gehen soll super sein, keine Schlangen, alles ist noch frisch und die Kassiererinnen gut gelaunt. Ich latsche durch den Laden, es stimmt. Er ist leer, das Obst sieht gut aus und die Kassiererinnen unterhalten sich von Kasse zu Kasse über die heutige Grey's Anatomy Folge. "Stirbt Izzy? Glaubst du, dass die abkratzt?" "Quatsch, die kratzt doch nicht ab, ey. Die ist doch da mit die Hauptfigur..." Ah ja.

Ich streife durch die Gänge bis mein Wagen gut gefüllt ist und merke, dass ich die Tomaten vergessen habe. Also hopp hopp, zurück zur Obstabteilung. Den Wagen lasse ich eben stehen, wird schon keiner stehlen. Gesagt getan. Gekonnt prüfe ich die Festigkeit der Tomaten und stelle sicher, dass auch ja keine Druckstellen auf der schönen, perfekt glänzenden Haut vorhanden sind. Ich hasse Druckstellen auf Gemüse und Obst. Ich habe da eine ausgeprägte Phobie, ekelhaft, wenn Menschen einen angeditschten Pfirsich oder Apfel verspeisen. Uh! Mit den perfekten Tomaten im Arm steuere ich zielstrebig auf den Gang zu, in welchem mein braver Einkaufswagen auf mich wartet. Ich will ihn gerade anschieben, da kreischt eine hochfrequente Zeter-Stimme im oberen Drehzahlbereich: "DAS IST MEIN WAGEN!"

Ich schnelle herum, zutiefst erschrocken über die Stimme aus der Gruft und sage gar nichts. Ich glotze nur. Starre diese kleine, hunzelige Person in ihrem Hauskittel an. Sie trägt hautfarbene Strümpfe, der linke schlackert ausgeleiert über ihrem dürren Knöchel, und ihre wenigen weißen Haare wirken wie Zuckerwatte mit Spinnenweben. "Das ist mein Wagen" wiederholt Zeter und Mordio-Oma und um ihren Worten Nachdruck zu verleihen, klammert sie sich mit ihren Gichthändchen an dem Griff fest. Sie kann gerade über den Wagen schauen und wirkt wie ein kleines Kind, das seine Kinderkarre schiebt. Okay, das könnte schwierig werden, merke ich, und sage sanft: "Gute Frau, das ist nicht ihr Wagen, schauen sie doch mal hinein, sie haben doch nicht all diese Dinge gekauft." Oma zieht eine Flunsch, hebt die Augenbrauen und zickt: "Ich habe diese Sachen natürlich noch nicht gekauft, ich stehe jawohl nicht an der Kasse, oder tue ich das?"

1:0 für sie. Vielleicht war sie in ihrem vorigen Leben, als sie noch nicht völlig derangiert in schönen Supermärkten ihr Unwesen trieb, ein qualifizierter Lehrkörper.Gut, denke ich. Sie ist nicht völlig bekloppt, dann sollte ich sie auch davon überzeugen können, dass dies mein Einkaufswagen ist. Ich schaue auf die Uhr, verdammt, jetzt muss ich aber wirklich mal los, durch diese Tomaten-Trödelei habe ich Zeit verloren, Zeit, die ich unmöglich mit dieser lächerlichen Situation verschwenden kann. "So, sie geben mir jetzt meinen Wagen zurück und wir suchen zusammen den ihren." Sie starrt mich an, fletscht die Zähne, zeigt ihr Gold. "Junge Dame, ich wiederhole mich nicht, ich hasse es, mich zu wiederholen!" Sie schreit. Niemand sieht mich. Ich reiße ihr den Wagen aus den Klauen und entferne mich zügig. Das war gelinde gesagt, keine gute Idee.

Wagen-Omi zetert und schreit was das Zeug hält. "Stop! Stop! Mein Einkaufswagen, mein Einkaufswagen!" Ihre verzweifelten Rufe hallen durch den leeren Supermarkt. Ich eile Richtung Kasse, will gerade all meine Einkäufe hektisch aufs Band befördern, da steht sie neben mir, mit Verstärkung. Ihr kleiner Körper zittert vor Aufregung und Wut . Ich will mich erklären, will sofort sagen, dass diese verrückte Alte meinen Wagen geklaut hat und ich jetzt wirklich zur Arbeit muss, da fängt der Mitarbeiter an zu sprechen: "Frau Richter, schauen sie doch, das ist nicht ihr Wagen, sie können doch nicht immer wieder unsere Kunden verunsichern und ihren Wagen vertüddeln." Eine andere Mitarbeiterin kommt dazu und bringt den Oma-Einkaufswagen. Ich werfe einen kurzen Blick hinein... Diabetiker-Kekse, H-Milch, Korn, Käse und Salzstangen. Pah, ich mag überhaupt keine H-Milch. Retter in der Not spricht wieder: "Sehen Sie, hier ist ihr Wagen. Und jetzt sehen sie auch, dass die Einkäufe in dem anderen Wagen ganz sicher nicht ihre sind, oder?" Ich schiebe unauffällig und beschämt meinen Wagen zur Seite.

Das sind meine Einkäufe, das ist meine Intimsphäre, schlimm genug, dass ich die Tampons und Kondome aus Laufband legen muss. Besonders schlimm ist es, wenn so ein schmieriger IT-Administrator mit Halbglatze hinter mir steht und diesen widerlichen, wissenden Blick drauf hat "Na Kleine, heute noch bumsen?" Das sagt der Blick, ich hasse ihn. Zum Glück ist es heute morgen nur die Oma und die zwei Mitarbeiter, die tatsächlich so lang an der Kasse stehen bleiben, bis ich zahle. Ich schaue Oma noch ein letztes Mal an, nicht sicher, ob ich eine Entschuldigung erwarte. Sie zieht die Nase hoch, schüttelt ihren kleinen, morschen Kopf und murmelt: "Unverschämtheit..." Die Kassiererin lacht. "Das ist Frau Richter. Die ist jeden Mittwochmorgen hier, die kommt vom Altersheim gegenüber. So ist das halt mit den alten Leuten." Ja, so ist das halt. Wenn ich in gefühlten 120 Jahren nur halb soviel Energie und Stimme habe, wie Frau Richter, wäre ich froh. Und auf die Korn-Zeiten freue ich mich auch schon.

5
Jul
2009

Die klare Linie

Nein, als Künstlerin würde ich mich nicht bezeichnen. Obwohl ich so gern eine wäre. Denn Künstler dürfen so sein, wie ich bin. Chaotisch, dramatisch, unzuverlässig, sensibel, verträumt, wankelmütig und schlicht und ergreifend: ohne eine klare Linie. Zum geordneten Glücklichsein braucht man diese klare Linie. Wurde mir gesagt. Man braucht sie, um vernünftigerweise Geld auf die hohe Kante zu legen. Man braucht die klare Linie, um das Ziel, das man vor Augen hat, ausdauernd zu verfolgen. Und man braucht sie, um sich anständig von Menschen zu trennen, die man liebt.

Ich war nie Freundin der klaren Linie. Nicht umsonst lief ich als Kleinkind ständig mit verbundenen Händen herum, weil ich nicht nur immer wieder auf die heiße Herdplatte gefasst, sondern auch interessant leuchtende Lichtkugeln näher betastet habe. Unbelehrbar biss ich wieder und wieder beim Duschen nach dem Grundschul-Schwimmunterricht in die süß duftenden Seifen-Früchte, nur um danach angewidert mit offenem Mund unter dem Duschstrahl zu stehen und Wasser zu schlucken. Nie blieb dieser erschreckende Moment der Überraschung darüber, dass die Seife wieder nicht nach Frucht schmeckte, aus. Obwohl ich durch die verlängerte Dusch-Sitzung immer die Letzte war und direkt in den Bus springen musste und mir dadurch das Softeis durch die Lappen ging, lernte ich nicht daraus.

Und nun bin ich erwachsen. Die neue 3 steht in den Startlöchern und was die klare Linie betrifft, bin ich immer noch das Kind. Ich weiß nicht mehr, ob ich mich an irgendeinem Punkt in meinem Leben dafür entschieden habe, meinem Bauch das Kommando zu überlassen oder ob ich das schon immer so gehandhabt habe. Vielleicht sieht meine Linie deshalb bis heute so aus:

ausschnitt1

Ich finde sie schön. Dieses Auf und Ab, dieses Vor und Zurück und ganz besonders liebe ich das Individuelle. Wie kann eine klare Linie individuell, wie kann sie besonders sein? Wie kann sie das zum Ausdruck bringen, was ich fühle, was ich denke, was ich sage, was ich liebe? Ganz besonders was ich liebe? Für mich passen die klare Linie und die Liebe so gut zusammen wie Labskaus mit Nutella.

Wie soll ich all meine Gefühle, egal ob liebevoll oder hasserfüllt, unter Berücksichtung der klaren Linie ausdrücken? Manchmal hasse ich eben, dann geht die Linie hart und unkontroliert nach unten, manchmal liebe ich heiss und innig, dann zieht sie Kreise und schiesst über das Papier hinaus. Und manchmal verletze ich, dann wird die Linie ganz dünn und wenn ich verletzt werde, dann setzt sie für einen Moment ganz aus. Wie soll ich mich mit einer klaren Linie darstellen?

Wie soll das aussehen? So: ?

linie-orange

Nein. Das bin ich nicht. Und das werde ich nie sein. Und wer meine eigenen, ehrlichen Linien nicht mag, der soll sich in den Linien-Bus setzen und davon fahren. Oder sich eine andere Linie suchen, die dann vernünftig und ohne Umwege zum Ziel führt.

6
Mai
2009

If you can't say something nice...

Manchmal, oder auch weniger manchmal sondern mehr oft, wollen bestimmte Äußerungen, Erklärungen und Feststellungen einfach aus dem Hirn den Weg über den Mund in die Freiheit finden. Viele Menschen denken, wenn sie der Welt ihre Meinung über bestimmte Dinge nicht mitteilen, bleibt das in ihnen stecken und mutiert zu einem großen, grauen Ball mit schlechter Energie und sie werden krank, faltig und hässlich. Deshalb, wer wird es ihnen verdenken, wollen sie bei jeder Gelegenheit, ob passend oder unpassend, ihre Meinung kund tun. Natürlich nicht ohne sich selbst in den buntesten Farben zu malen und keine Zweifel daran zu lassen, dass man am Besten aussieht, den besten Partner vorweist, sowieso von der kompletten Welt von Hintertupfingen bis nach Timbuktu den absoluten Durch- und Überblick hat und eigentlich the one and only Best-of-everything ist. Dabei ist es so einfach. So einfach!

If you can't say something nice, don't say nothing at all.


23
Apr
2009

Albinokäfer

Foto0026

So von weitem auf dem Foto sieht er aus wie ein kleiner Frosch. Weil ich ihn einzigartig schön finde, dürft ihr mitgucken. Aber nur gucken!

4
Apr
2009

So ist das also.

Es ist schön, wenn einem Tatsachen wie Schuppen von den Augen fallen. Und es ist weniger schön, wenn man für erkannte Probleme niemanden mehr zur Rechenschaft ziehen kann. Weder seinen Therapeuten, noch sich selbst. Ich habe nun den Ursprung meiner mangelhaften Verhaltensmuster in Beziehungen gefunden und möchte jemanden dafür verantwortlich machen. Walt Disney hat mir unrealistische Vorstellungen von Liebe vermittelt!

Lieber Herr Disney,

ich weiß, dass Sie bereits seit längerer Zeit nicht mehr unter den Lebenden weilen, jedenfalls nicht körperlich. Nichtsdestotrotz möchte ich versuchen, Sie zu erreichen. Die Seance mit dem Witchboard hat ja leider nicht geklappt, deshalb versuche ich es nun auf konservativem Wege. Geschätzter Herr Disney, Sie sind ein Künstler, ein Genie, ein Retter. Wie viele Kinder haben sich mit ihren Filmen in eine schönere, bessere Fantasiewelt flüchten können und wie viele Popstars haben ihre Karriere Ihnen zu verdanken, weil sie durch Cinderellas „bippedeeboppedeeboosh“ oder Aristocats „Scales and Arpeggios“ die Liebe zur Musik entdeckten. Aber haben Sie auch jemals an die Erwachsenen gedacht, die aus diesen Kindern werden? An mich zum Beispiel? So erzählt Ihr Film „Die Schöne und das Biest“ davon, dass man hässliche, griesgrämige und kalte Monster mit Liebe und Geduld in wunderschöne Prinzen mit Sanftmut und Fröhlichkeit verwandeln kann. Wieso bin ich dann mit meiner Geduld am Ende und mein Freund ist immer noch das Scheusal, dass er von Anfang an war? Was wollten Sie damit bezwecken, die Geschichte der Meerjungfrau Arielle einfach umzuschreiben? In Ihrem Film gibt sie alles auf, natürlich wieder für einen Mann, für den vermeintlichen Traumprinzen, sie lernt laufen und auch das klappt ohne Probleme und ein Happy End gibt es auch. Wissen Sie denn nicht, dass das wahre Märchen (das ist ein Oxymoron) ganz anders endet? Die arme Meerjungfrau hat blutige Füße vom vielen Laufen an Land und wird am Ende zu einem Meer aus Blüten, weil ihr Liebster sich in eine andere verliebt und sie sich selbst nur retten kann, wenn sie ihn ersticht! So sieht die Realität aus, lieber Herr Disney. Sie suggerieren mit Ihrem Film „Cap und Capper“ (einer meiner Lieblingsfilme im Übrigen), dass zwei völlig unterschiedliche Wesen, wie ein Fuchs und ein Hund, friedlich zusammen leben können. Von der Natur ist vorgegeben, dass der Hund den Fuchs jagt und mit einem Biss in die Kehle tötet. Das ist der Jagdinstinkt. Normalerweise weiß man das auch und hält sich von Jagdhunden fern, jedenfalls wenn man ein Fuchs oder ein Häschen ist. Aber nicht, wenn man Ihre Filme gesehen hat, nein, dann nicht. Dann hoppelt man fröhlich, Haken schlagend dem Untergang entgegen und ist überrascht, dass der Hund gar nicht mit einem spielen oder friedlich leben will, oh nein, der Hund will töten! Lieber Herr Disney, verstehen Sie mich bitte nicht falsch. Ihre Filme sind großartig, künstlerisch. Aber war Ihnen denn nicht klar, dass Sie so was wie der Messias aller Beziehungen werden würden? Würden Sie noch leben, würde ich darum bitten, realistischere Kinderfilme zu produzieren. Warum soll Cinderella der Schuh nicht einfach zu klein sein und sie für immer Putzfrau bleiben und warum soll das dumme Schneewittchen, das nicht auf die Zwerge hört und ständig Sachen von der Fremden annimmt und sich dann vergiftet, nicht einfach sterben? Warum soll das Biest nicht einfach Biest bleiben und all die verzauberten Tassen und Kerzenhalter und Standuhren und Teekannen bekommen einen Job in einem Zirkus, das Mädchen heiratet den Aufschneider aus ihrem Dorf und das Biest stirbt verhärmt und allein im zerfallenden Schloss? In jedem Ihrer Filme findet das Mädchen ihren Traummann und sie werden glücklich. Warum kann sie am Ende nicht einfach mal allein sein, mit ihren Freundinnen eine Riesenparty im Schloss oder im Cottage im Wald feiern, danach springen sie nackt in einen See und freuen sich, dass sie so viel Spaß haben. Ohne Prinzen, ohne Ritter und ohne Rächer der Witwen und Waisen.

Lieber Herr Disney, ich liebte Ihre Filme. Und liebe sie auch heute noch. Wenn ich nun auch mit einem kritischeren Auge zuschaue. Ich hoffe, es geht Ihnen gut, dort wo Sie sind und nehmen mir mein Briefchen nicht übel. Machen Sie sich keine Sorgen, meine Bewerbungsunterlagen sind bereits in Ihrem Unternehmen eingegangen und ich werde versuchen, den Schaden, den Sie angerichtet haben, mit neuen Kinderfilmen zu begrenzen.

Die liebsten Grüße ins Jenseits,

Ihre Frau Settergren

19
Feb
2009

Das Los vom Lassen

Als ich ein Mädchen war, bin ich von einem Baum gefallen. Ich schaffte es gerade noch, mich an einem Ast fest zu halten. Ich hing dort, hoch über dem Boden, lange Zeit. Es war still, ich spürte den Schmerz in meinen Armen, das Blut hämmerte in meinen Ohren. Und dann… fiel ich. Ich weiß nicht mehr, was passierte, als ich unten aufschlug. Alles, was mir in Erinnerung geblieben ist, sind die Qualen des Festhaltens. Und das wunderbare Gefühl los zu lassen.

10
Feb
2009

Maoam ist sexy.

Ich habe mal gehört, dass Leute, die alles auf Sex beziehen und auch überall Sex sehen, wo gar keiner ist, entweder sexuell nicht ausgelastet sind oder einfach sexuell fixiert sind. Es gibt sie, diese Typen, die geil werden, wenn sie beim Zappen auf dem Discovery Channel hängen bleiben und sehen, wie der Löwe die Löwin begattet. Es gibt sie, diese Typen, die auf einer Vernissage oder in einem Museum bei jeder Skulptur einen Penis sehen und es gibt sie, diese Typen, die ständig, ob passend oder nicht, über Sex sprechen müssen. ICH gehöre da nicht zu. Trotzdem ist mir etwas aufgefallen, während ich so auf meiner Lieblingscouch (weil es meine einzige ist) sitze und päckchenweise Maoam in mich hinein stopfe. Da der Fernseher nicht läuft und mein ausgewählter Film bei Maxdome noch lädt, lasse ich meinen Blick über die Maoam Packung gleiten. Und dabei fällt es mir auf. Mir fällt auf, dass auf jeder einzelnen Packung eine sexuelle Handlung mit diesem komischen, einer Bohne nicht unähnlichen Männchen dargestellt wird. Dieser Lustmolch macht es mit den Früchten. Schockiert und gleichermaßen begeistert google ich den Begriff Maoam und tatsächlich, auch anderen Menschen ist es schon aufgefallen...

was hat Maoam sich nur dabei gedacht?

maoam_sex

Sogar nen flotten Dreier hat das Bohnenmännchen... mit den verruchten Kirschen!

8
Feb
2009

Mein Wille ist eine Matrjoschka und dem Teufel gehört mein Nintendo Ds

Aufgrund der aktuellen Situation nehme ich mir in letzter Zeit viel vor. Bestimmte, wichtige Ziele, von denen ich glaube, dass sie meine Zukunft in eine positive Richtung drehen. Einen akribisch genauen Schlachtplan habe ich ausgearbeitet, mit Berücksichtigung der kleinsten Abweichungen, des Worst-Case-Szenarios und der verschiedensten Faktoren. In meine Küche gelangt man nur noch, wenn man über eine nach gebaute Kriegslandschaft inklusive Kanonen, Pferdchen, die Guten und die Bösen steigt ,und den Fernseher sieht man kaum, weil das Flipchart mit seinen farbenfrohen Diagrammen und Pfeilen die Sicht versperrt. Man könnte also meinen, ich habe alles im Griff. Bestens im Griff. Spreche ich mit mir selbst, habe ich einen gewissen Befehlston am Leib, der selbst den schlimmsten Quäler aus dem Boot Camp zurück schrecken lassen würde und mir verwirrte Blicke meiner Nachbarn beschert. Alles für meine Zukunft, die grandiose Zeit, die nach der Gegenwart anbricht, die ich so gern beeinflussen würde. Beeinflussen WERDE.

Aber… aber aber aber. Dieses verkackte Aber finde ich noch schlimmer als das Wörtchen wenn. Oder jedoch. Oder trotzdem. Ich habe einen Fehler gemacht. Ich habe mich verkalkuliert. Ich habe… (dramatische Pause) versagt. Kläglich. Ich habe die schwachen Momente vergessen, die vor dem Schlafengehen und die kurz nach dem Aufwachen. Und die nach dem Mittagessen, die nach dem Einkaufen, die nach einem Phil Collins Song, die nach dem Finden einer längst vergessenen Socke, deren Besitz man die ganze Zeit abstritt und die, fast anklagend, aus dem Trolley unter dem Bett springt: „Siehst du, er hatte Recht, du hast mich!“ In diesen Momenten kommt jemand und missbraucht meinen Willen, greift ihn an, verändert ihn. Wenn ich mir vorher sage, dass ich einen ganz bestimmten Anruf ganz sicher nicht tätigen werde - auf keinen Fall - dass ich seit Tagen keinen Alkohol mehr trinke, da jeder weiß, dass dieser sinnlose Sms und lallende Anrufe begünstigt, dass ich meine Handyrechnung extra nicht bezahlt habe, weil dann abgehende Anrufe nicht möglich sind, (falls doch Alkoholmissbrauch stattfindet), dass ich mir eher den Finger abhacke oder eine Glatze rasiere, dann meine ich es so. Aber dann, kommt jemand an mein Regal, das Regal in welchem ich all meine charakterstarken Eigenschaften eingelagert habe, guckt ein bisschen herum und denkt: „Aaah, der Wille, der ist so schön, den schaue ich mir mal genauer an.“ Und ich weiß nicht, ob meinen lieben Lesern der Begriff Matrjoschka etwas sagt… aber das sind die Talisman-Puppen aus Russland, es fängt mit einer fetten, kugelrunden Frau an und endet mit einem verkümmerten, hilflosen Miniwesen, welches in der Regel nicht mal mehr Ärmchen und Beinchen eingezeichnet hat, sondern einfach nur noch ein Kegel ist. Ja… und genau das passiert mit meinem Willen. Puppe für Puppe für Puppe wird er kleiner, bis er so klein ist, dass ich trotzig über meine hart erarbeiteten Parolen, mein Schlachtfeld und meine Diagramme hinwegsehe und auf diesen Jemand höre, der meinen Willen so minimiert. Wenn dieser Jemand nicht so lebensnotwendig und für all die schönen Gefühle verantwortlich wäre, würde ich ihn raus schmeissen. Achtkant! Verdammte Scheisse… es passiert also, was passieren muss... Call me, hold the line, i just called to say I love you... Man nimmt ab, man spricht, man spricht, man spricht noch mehr. Und es ist gut, es ist so gut, dass man die vorher mit sich selbst abgemachte Coolness schon beim ersten Freizeichen über Bord wirft.

...wenn man dann erst mal kapituliert hat, so voller Sünde ist, juckt es einen auch nicht, direkt noch eine Wette abzuschließen, gern auch mit dem Teufel. So legt man auf und sagt laut: „wenn er jetzt noch mal anruft, dann liebt er mich.“ Zehn Minuten vergehen, man ist schon fast eingeschlafen, ist schon kurz davor zu sagen: Wetten sind eh für’n Arsch. Da klingelt das Telefon. Oh. Siegessicher und wahnsinnig spricht man im Geiste mit dem Teufel und setzt noch einen drauf: „Wenn er mich sehen will, dann opfere ich meinen kleinen Finger.“ Ja… das ist aber schön… über den Finger mache ich mir für den Moment keine Gedanken, es zählt nur das Glück, die Liebe, alles Schöne dieser Welt sammelt sich in meinem kleinen Herzen und lässt mich singen und tanzen. Viele Stunden vergehen und irgendwann sitze ich wieder glücklich und zufrieden an meinem Küchentisch und schaue vor mich hin. Starre Herzen in die Luft. Und sehe, aufgrund meiner Kniffelleidenschaft, die ich in meinen kompletten weiblichen Freundeskreis getragen habe, meinen Würfelbecher und die fünf Würfel. Und weil ich nicht anders kann, weil ich diese blöde Borderline-Affinität habe, sage ich laut, „wenn ich jetzt einen Kniffel werfe, dann ziehen wir zusammen.“ (Nein, in die Irrenanstalt habe ich nicht gesagt!)
Ich würfel 1x.
6 – 6 – 6 (Oh Gott, mir fällt jetzt erst beim Schreiben auf, dass das die Zahl des Teufels ist).
2x würfeln darf ich noch.
Das ist aber gar nicht nötig, denn nach dem 2. Wurf habe ich ihn, den Sechser-Kniffel, den absoluten Highscore, das höchste der Gefühle! Und ich weiß… alles wird gut. Vielleicht nicht jetzt sofort, aber es wird. Wie viele Zeichen braucht man noch? Wie viele? Es klingelt. Oh Gott, denke ich. Er ist es, der Antichrist, der Teufel, er kommt mit seinem Hufenfuss und seinem Dreizack und will meinen Finger holen! Panisch überlege ich, was ich ihm als Ausgleich anbiete, es muss ein wahres Opfer sein, etwas, ohne das ich kaum noch leben kann und da kommt mir die Idee… mein Nintendo DS. Aber die Spiele, die kriegt er nicht!

(Anmerkung der Autorin: Ich muss nicht erwähnen, dass es bloss mein Nachbar war und so muss ich auch nicht erwähnen, dass es sowieso klar ist, dass wir zusammen ziehen, da ich ja bei der Solitaire-Wette (ich bloggte) bereits die Hochzeit gewonnen hatte.)
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